Literatur
10. November 2011 von Thomas Bebiolka
Wer bei google das Wort Glück eingibt, bekommt zur Zeit 100 Millionen Einträge. Es ist eine Wissenschaft für sich - aber kein Geheimnis, wie man im Ranking “nach oben” kommt. Aber wozu?
Wohin führt die Reise, wenn wir versuchen, über Glück nicht egozentrisch sondern alturistisch nachzudenken? Denn darum geht es doch, oder? Die Absicht hat Einfluss auf das Ergebnis. Und diese Erkenntnis kommt aus interdisziplinärer Forschung: Philosophie, Psychologie, Physik, Ökonomie, Literatur, Spiritualität etc. etc…
In diesem kleinen Bändchen von Prof. Bruno S. Frey aus dem Jahre 2009, erschienen im Rüegger Verlag Zürich, geht es um Analysen und Erkenntnisse aus individueller-, unternehmerischer- und staatlicher Sicht.
Fazit ( aber selbst lesen ist natürlich immer besser!):
Die Glücksforschung steht noch ganz am Anfang. Selbstverständlich ist es immer sinnvoll, die Alten Weisen zu lesen, selbst zu denken, um das bessere Argument zu ringen, emotionale und soziale Intelligenz zu kultivieren, zu verstehen, dass systemisches Konsensieren besser ist, als einfaches Mehrheitswahlrecht, starke positive Gefühle die entscheidenden verändernden Kräfte sind, Bruttosozialglück eine Zukunftsvision sein könnte, wie im Königreich Buthan u.v.m. Aber…
…dass dass Wissen um die Frage “Wie führen Menschen ein gutes, glückliches Leben” in die Ökonomie vordringt, Unternehmen - auch wenn es bisher nur ganz wenige verantwortungsvolle Leader sind - sich ernsthaft die Frage stellen, wie Umstrukturierungen so ablaufen können, das die Gefühlsebenen der Mitarbeiter intensiv einbezogen werden, dadurch Kunden am Point of Sale zufriedener werden, weil sie mit zufriedenen Mitarbeitern sprechen und dies sich insgesamt positiv in den Bilanzen wiederspiegelt…das ist NEU.
Wir können da nur sagen: mehr Weisheit und Mitgefühl in die Strategien. Auch wenn viele momentan noch lachen - der Zustand der Welt wird das Lachen bald in die Einsicht zwingen. Besser früher, als noch später.
Ein Bildungs- und Wirtschaftsystem, dass Menschen grundsätzlich zu Status-Suchern erzieht, Macht, Titel, Würdenträgerei, Konsumgewohnheiten als Unterschiedmacher anzusehen sind, das sich mit anderen Vergleichen zum Selbstwertgefühl notwendig zu sein scheint, besonders wenn man besser da steht als andere… Diese “Entgleisungen” könnte das Volk aber durch ein gerechteres Steuersystem unter “Kontrolle” bringen. Was nicht mehr erstrebenswert attraktiv ist, wird auch nicht mehr angestrebt. Anthropologisch gesehen, wäre das ein genialer, selbstüberlistender Schachzug.
Wertorientierung als zeitloses Phänomen war immer schon näher am Glück als das Streben nach materiellem Besitz. Kreative Träumer, Optimisten, Weltverbesserer mit großen Visionen, Entrepreneure, die eine soziale, faire, ökologisch-nachhaltige Wirtschaft bauen, die Leiden lindern, Kinderarbeit nicht mehr billigend in Kauf nehmen wollen, damit wir hier T-Shrits für 5.- Euros kaufen können, sind näher am Himmelreich.So viel Wertung darf sein.
Die Besprechungs- und Kommentarreihe werde ich bald fortsetzen. Schaun Sie wieder rein.